
Fotos und Text: Klaus Mümpfer
Um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen, leitet der Bassist das Konzert mit einer groovenden Intro zu Eddie Harris´ “Cold Duck Time“ ein. Die Komposition wurde zwar in der zwölftaktigen Form geschrieben, nutzt aber nicht die Blues-Akkord Progression. In der Trio-Interpretation mit dem biegsamen Schlagzeugspiel klingt sie flüssig wie der gleichnamige amerikanische Sekt. „Red Baron“ von Billy Cobhams Debut CD „Spectrum“ aus dem Jahr 1962 leitet Hertel mit einem verspielt perlenden Piano ein, Tiefentahler schiebt überraschend zwei kurze Marschrhythmus-Breaks ein, bevor das Trio das Thema swingend und relaxed weiterführt.
Im Programm wechseln die Groove Fanatics dramaturgisch geschickt
von langsamen und lyrischen Kompositionen wie das Hertel-Stück
„Cool“, zu kraftvollem Up-Tempo-Spiel etwa in „Sister Wilson“
des Cannonball Adderley-Drummers James Black. Hertel treibt mit
Hochgeschwindigkeitsläufen und Boogie-Assoziationen auf dem
Piano das Trio an, bevor er das melodische und harmonisch
reizvolle Bass-Solo von Becker mit Akkordeinwürfen abrundet,
während Tiefentahler sich aus einem leichten und transparenten
Solo ins Powerplay steigert.
Andreas Hertel erzählt stolz, dass er neuerdings auch Autor
eines Notenbuches für Schulen mit dem Titel „Let´s play Jazz“
sei. Da konnte es nicht ausbleiben, dass der Komponist auch
Stücke aus diesem Werk für das Trio umschrieb und in diesem
Konzert der „Jazzfabrik“-Reihe uraufführte.
So genossen die zahlreichen Zuhörer im „Rind“ eine swingende Bossa Nova-Nummer mit einem dezent stützenden Bass und das bezeichnende „Rhythm of my soul“, bei dem Hertel kraftvoll die Akkordblöcke ins Instrument hämmerte. “Time Gentlemen, please“ belegt beispielhaft, wie in sicheren Interaktionen ein Trio-Spiel aus einem Guss funktionieren kann.
„Mo´better Blues“ von Branford Marsalis in der Zugabe rundete
Hertel auf erfrischende und zugleich lyrische Weise mit eigenen
Ideen ab.