
Fotos und Text: Klaus Mümpfer

Laura Fedele
Gereift sind bereits die drei Bläser-Solisten aus Amerika, die
die Gastgeber aus Frankfurt dieses Jahr mit auf Tour nehmen. „Stomping
at the Savoy“, „Moten Blues“ oder das rhythmisch und harmonisch
reizvolle „Caravan“ mit seiner orientalisch gefärbten Melodik
sind Ohrwürmer in einem Programm, in dem der Trompeter Scotty
Barnhart sich als Spezialist für gleißendes High-Note-Spiel
erweist. Er schleift die Töne auf dem Instrument wie ein
Gitarrist beim Bending die Saiten. Auf seiner „flumpet“
genannten Mischung aus Trompete und Flügelhorn interpretiert er
mit der richtige Wärme, doch niemals zu glatt, die Ballade „Smile“,
deren Thema der stilistisch sichere Barrelhouse-Pianist
Christoph Sänger mit einer verspielten Intro vorstellt. Barnhart
ist ein technisch virtuoser, aber auch ein wenig
selbstverliebter Instrumentalist, bei dem die Einflüsse von
Freddie Hubbard und Wynton Marsalis hörbar werden.
Aus dem Umfeld von Marsalis kommt offensichtlich auch der
Tenorsaxofonist Scott Hamilton, dessen warmen und singenden
Linien die Soli prägen. Er ist ein Geschichtenerzähler mit
schönen und rundem Ton sowie einwandfreier Phrasierung. Im Bund
mit der Posaunistin Nancy McCracken, die in eines ihrer Soli ein
ausgefallenes Stakkato einschiebt, faszinieren die drei Bläser
vor der Rhythmusgruppe der Barrelhouse Jazzband vor allem im „Limehouse-Blues“mit
kurzen Unisono- und mehrstimmigen Sätzen sowie ausgefeilter
Dynamik. Traditionell ist der Kreislauf der ausgedehnten Soli.
Die Musiker mit dem leichten Swing sind wie Barrelhouse Jazzband
der Tradition verbunden – Retro, aber kein Revival.
Zum Beginn des Konzertes, in dem Barrelhouse-Leiter Reimer von
Essen amüsant und unterhaltsam die Geschichte des frühen Jazz
von New-Orleans bis zum New-Yorker Swing erzählt, stellt die
renommierte Band ihre Verbindung von Swing und kreolischer
Rhythmik in der Eigenkomposition „Creole Swing“ oder im
populären „Martinique“ vor. Der Titel „Get rhythm in your feet
and music in your soul“, sei Leitspruch für diese Gala,
kommentiert von Essen, der kürzlich den hessischen Jazzpreis
erhalten hat und dem der Jazzclub Rheinhessen bühnengerecht
gratuliert.