„New
Adventures“, ein schnelles Latin-Thema und das Titelstück einer CD
von Florian Posers „Brazilian Experience“ ist nach wie vor ein
musikalisches Abenteuer, wenn auch nicht neu. Die Liebe des
deutschen Vibraphonisten für die südamerikanische Musik in der
Verbindung mit dem pulsierenden Neo-Bop der New Yorker Szene ist mit
Unterbrechungen ein Dauerläufer: Schon in den 90er Jahren war Poser
mit einer gleichnamigen, hochkarätigen Truppe unterwegs –damals wie
heute mit mitreißendem Groove, der die Mixtur aus percussivem und
melodiösem Latin-Bop unterstreicht.
Elegante und zugleich kraftvolle Kompositionen – zumeist aus der
Feder des Bandleaders - bietet das Quintett in der Rüsselsheimer
Jazz-Kneipe „Das Rind“. Ein geschmeidiger Brazil-Jazz von
atmosphärischer Dichte. Geschickt wechselt Poser zwischen ruhigen
Balladen und treibenden Up-Tempo-Stücken. Lyrisch verspielt tupft er
mit seinen Klöppeln in „Calm Down“ die Metallplättchen seines
Vibraphons in fließenden Linien, lässt die Klänge durch die
Dunkelheit des Raumes schweben, während Pianist Klaus Müller ein
paar verstreute Akkorde einwirft, die sich zu einer Melodie
entwickeln.
Bassist Itaiguara und Schlagzeuger Portinho steigen sensibel ein,
bevor der Argentinier Gustavo Bergalli zum Flügelhorn greift und mit
weichen, warmen und dunkel timbrierten Tönen ein ergreifendes Solo
spielt. Perlend fließen die Notenketten aus dem Piano, Portinho
bricht mit eingeschobenen gegenläufigen Breaks auf den Trommeln den
Melodiefluss auf, bevor das Quintett schließlich die Ballade im
sanften Kollektiv ausklingen lässt.
Den anderen Pol von Posers Kompositionen setzen Stücke wie
„Questions & Answers“, in dem kraftvoll und groovend die Musiker
Gelegenheit bekommen, sich in Soli zu verausgaben. Rasendes
Vier-Klöppel-Spiel auf dem Vibraphon, die Trompete steigt in
kraftstrotzenden Stakkato-Läufen in die High-Note-Lagen,
attackierendes Akkord-Spiel auf dem Piano leitet in ein
vielschichtiges und polyrhythmisches Schlagzeugsolo über.
Wiederholt
wird diese Dramaturgie in den beiden letzten Stücken dieses
Konzertes: Portinho eröffnet mit einem nahezu explosiven
Schlagzeugspiel das Up-Tempo-Stück „Rio“ mit Dynamiksprüngen und
Intensitätssteigerungen, während „Epilogue“ in der Zugabe verspielt,
lyrisch und zart den Abend ausklingen lässt. Die gleiche Stimmung
beherrscht das betont langsame „Sleeping Blossom“ ohne den Trompeter
Bargelli, der dafür in dem Tango „Alone“ mit lang gezogenen, fast
vibratolosen Linien auf den Trompete die geschmeidige Schönheit des
südamerikanischen Tanzes unterstreicht.
Allzugroßer Sahnigkeit begegnet er mit leicht überblasenen und
gepressten Tönen in den höchsten Lagen, verhaltenem Growling und der
Fähigkeit, manchmal bewusst über das Metrum der Gruppe
hinwegzublasen. Müller lässt hin und wieder auf den Keyboards
orgelähnliche Sounds mit hart angeschlagenen Single-Notes
kontrastieren und Itaiguara vermag auf seinem Bass flinkfingrig
gitarrengleiche Läufe zu zupfen. Zwischendurch reizen
Unisono-Passagen von Trompete und Vibraphon das Ohr der Zuhörer, die
Florian Posers „Brazilain Experience“ mit reichem Beifall bedenken.