
Vor dem Konzert sitzt die Harfinistin Zeena Perkins einsam auf der Bühne im leeren Saal des Frankfurter Hofes und lässt eines jener ästhetisch feinen, melodischen Soli aus dem großen Saiteninstrument perlen, die einen Teil ihrer Seele widerspiegeln. Später im Konzert werden filigrane akustische Passagen in die elektronischen Collagen aus Laptop-Sounds und diverser Elektronik, integriert verschmelzen zu Mischklängen von Akustik und Elektronik oder stehen krass kontrastierend gegeneinander. Zeena Parkins und die Laptop-Künstlerin Ikue Mori kreieren aus akustischen und elektronischen Tonquellen von Vibraphon, Harfe, French Horn, Trommeln und Glöckchen, von Computern, Wahwah-Pedalen, Delay-Loops, Schleifen und Synthesizern eine erstaunliche Suite aus sieben Sätze, bei denen der erste und zweite aus jeweils zwei ineinanderfließenden Teilen besteht.
Die
Musikerinnen zerknittern vor den Mikrophonen Goldpapier, der
Synthesizer zwitschert über einem anhaltenden Basisakkord von Cello
und Violine, mehrstimmige langsame Passagen werden mit dem
Geigenbogen an den Plättchen des Vibraphons abgerundet. Kurze Zeit
später lauscht der Zuhörer einer „atmenden Stile“, die beim
Händereiben der Künstlerinnen auf der Bühne entsteht. Dazu grummelt
das mit der Hand gestopfte Waldorn und mehrere Paukenschläge
schließen den Satz ab. Fast meditative, sanfte Passagen wechseln
sich mit treibenden, polyphonen und rhythmisch pulsierenden
Crescendi ab. Zeena Parkins reißt hart die eigens für sie
konstruierte Elektroharfe an, lässt die Läufe mit einem Metallstab
sowie einem elektronischen Tonabnehmer glissandieren, während Ikue
Mori mit dem Laptop nahezu akustisch klingende Glockenspiele
zusteuert. Die E-Harfe knallt, das Cello wird percussiv gezupft. Der
folgende Satz wird geradezu kammermusikalisch mit melodischen
Harfen-Linien eingeleitet. Darüber schwebt eine verfremdete,
artistisch geführte Stimme – liedhaft und exotisch.
Grenzüberschreitungen sind selbstverständlich. Rock, Punk, Noise,
Jazz fließen ebenso ineinander wie klassische Songstrukturen und
abstrakte Soundformen.
„Phantom
Orchard“ oder „Geistergarten“ war ursprünglich eine Duo-Komposition,
bei der die verschiedenen Klang-Files nachträglich im Studio
übereinander gespielt wurden. Weil dies in einem Live-Konzert nicht
möglich ist, wurde das Duo Zeena Parkins & Ikue Mori zum „Phantom
Orchard Orchestra“ erweitert und die Suite für das
SWR-New-Jazz-Meeting neu geschrieben. Für eine Erweiterung des
akustischen und elektronischen Klangraumes sorgen neben Zeena
Parkins und Ikue Mori die Percussionstin Shayna Dunkelman, die
Zeena-Schwestern Margaret am Cello und Sara an der Violine, sowie
Maja Ratkje mit Vokal-Akrobatik und Hild Sofie Tafjord mit Frech
Horn sowie jeweils Elektronics.
Die Sätze der Suite sind teilweise streng notiert, andere wie der
dritte Satz „Faces“ enthalten lediglich grafische Anweisungen in
Form eines Koordinatenetzes über den Photos der Orchestermitglieder
und wieder andere Passagen werden frei improvisiert. So entsteht
eine sinfonische Dichtung, die bei aller Freiheit in sich logisch
aufgebaut und geschlossen bleibt. Als Zugabe erklatschten sich die
faszinierten Zuhörer eine freie, pulsierende
Kollektiv-Improvisation.
(Das Konzert wird am 19 und 26. Februar 2009 jeweils
um 23.03 Uhr im Hörfunk SWR2 gesendet. Eine zweite CD des Duos mit
dem Titel "Orra" ist kürzlich bei Tzadik erschienen)