

Mit weit gespreizten Schlegeln kann die Künstlerin in den hohen Lagen bis zu zwei Oktavspannen anschlagen, was sie in ihren Kompositionen ebenso nutzt wie die Möglichkeiten, die die nachschwingenden Holzplatten mit Obertönen bieten. Die in Bingen lebende Amerikanerin hat ihren Personalstil, der die Stevens –Technik ausweitet, so virtuos entwickelt, dass er 2003 gar Gegenstand einer Dissertation an einer amerikanischen Universität wurde.
Einfühlsam nimmt in den Duo-Stücken Gernot Blume am Flügel die
kurzen Single-Note-Linien auf und führt sie in Variationen fort,
greift kraftvolle Blockakkorde, wenn die Partnerin hart auf die
Holzplättchen hämmert. Manchmal schwelgt er in den Tonfülle des
Bösendorfer und lässt die Läufe aus den Tasten perlen, um an
anderer Stelle mit sparsamen Akkordeinwürfen das
Marimbaphonspiel zu ergänzen. Besonders reizvoll sind in den
sensiblen Interaktionen die Unisono-Passagen sowie
Ruf-Antwort-Spiele, aber auch die schwebenden Klangwirbel auf
den Hölzern. Zuweilen wechseln die beiden Künstler die Rollen.
Dann erwidert Spencer die kraftvollen und hart angeschlagenen
Läufe des Pianisten mit knappen Rhythmusfiguren auf dem
Marimbaphon. Aber immer wieder nutzt das Trio Tempo- und
Dynamiksprünge zur Intensitätssteigerung. In „Tribeca Sunflower“
nimmt Julie Spencer spezielle Schlegel aus gebündelten Stäbchen,
die die Töne aufgeraut erklingen lassen. Wenn sie dann besonders
hart anschlägt, klingen die Hölzer fast metallen.
Aus der Feder Blumes stammt eines der schönsten Stücke aus dem
Repertoire des Duos, die Komposition „Dances“. Die pulsierende
Melodie in Anlehnung an indische Ragas und mit der anheimelnden
Stimmung südosteuropäischer Folklore setzt sich wie ein Ohrwurm
in den Gehörgängen fest. Gänzlich anders ist „Soulhouse Speak“,
eine Solo-Komposition von Julie Spencer. Mit einer Reihe
akzentuierter Akkordschläge nähert sich dieses percussive Stück
fast dem freien Jazz. Kurze Single-Note-Trauben in schnellen
Läufen, dann wieder gleichsam suchende tastendes Spiel, zeigen
die stilistische Bandbreite, die eine Kategorisierung dieser
Musik verbietet. Abendländische Tradition, Folklore,
fernöstliche Klassik, Blues und Jazz verbinden sich in dieser
originären Musik, die zuweilen vehement swingt.
Mit dem Worldmusic Cross-Over Ensemble „Asavari“ hat das Ehepaar
Spencer/Blume außergewöhnliche Klangfarben von der Mongolei über
Indien bis Amerika verschmolzen. Die Musikfachzeitschrift „JazzIz“
stufte Julie Spencer in die Riege der weltbesten
Marimbaphonspieler ein. Die beiden Künstler belegen, dass
Innovationen vor allem in den Grenzbereichen des Jazz zu
entdecken sind.