
„Die
Leichtigkeit des Seins“ nennt Thomas Siffling eine seiner
Kompositionen auf der neuen CD „Kitchen Music“ – ein Titel, der das
Spiel des 1972 in Karlsruhe geborenen und in Mannheim lebenden
Trompeters treffend beschreibt, auch wenn sie selbst ganz schön
heavy anfängt: mit tiefen Bass-Schritten und einem akzentuiert
drängenden Schlagzeug, bevor Siffling mit einer samtenen und
zugleich kraftvollen Flügelhorn-Linie einstimmt, über die Elektronik
mit sich selbst im Duo spielt und einen Akkord in einer Schleife
stehen lässt, der auch beim Solo des Bassisten Jens Loh mit dessen
reizvollen harmonischen Wendungen stets den Hintergrund abrundet.
Siffling bläst inzwischen auf dem Flügelhorn Phrasen, die an die
Hochzeiten des Bebop erinnern, mit schnellen Attacken und leichtem
Überblasen in den Höhen.
Es ist die Leichtigkeit des Trompeten-/Flügelhorn-Spiels, das den
baden-württembergischen Jazzpreisträger des Jahres 2005 aus der
Reihe der vorzüglichen jungen deutschen Instrumentalisten
hervorhebt. Ein Spiel, das ruhig, aber nicht melancholisch,
sensibel, aber nicht sentimental, der Tradition verbunden, aber
nicht museal ist. In diesem Spannungsfeld von Romantik und
Experiment gleicht er dem Amerikaner Dave Douglas, den Siffling
besonders mag. „Poesie“ wäre eine umfassende Bezeichnung.
In diesem ersten Konzert der Promotion-Tournee für die gerade einen
Tag zuvor präsentierte CD „Kitchen Music“ herrscht trotz aller
Elektronik die Stimmung zwischen Cool und Bebop vor. Da gibt es so
ästhetisch zeitlose Stücke wie „Endlos“ mit einer getragenen Melodie
über ostinaten Bass-Figuren und der Percussion auf der Riq, der
türkischen Rahmentrommeln mit ihren Schellen. Die Läufe aus dem warm
klingenden Flügelhorn sind gefühlvoll bis ins Vibrato oder
assoziieren später im „Abendlied“ Folklore und Romantik.
Andererseits gibt es schnelle und attackierende Läufe auf der
Trompete im Powerplay-Spiel des Trios sowie mit Wechseln im Tempo
und Sprüngen in der Dynamik wie in „The energy of a small woman“.
Die Freunde der Jazzinitiative BlueNite kommen an diesem Abend im
Café Schmitz in den Genuss eines extensiven Experiments. „Rest in
Space“ hebt mit einem wahrhaft spacigen Trio-Sound an, Loh streicht
den Bass mit Bogen und Markus Faller lässt das Schlagzeug pulsieren.
Nach einem akustischen Mittelteil mit einem straight marschierenden
Bass schöpft Siffling die Möglichkeiten der Elektronik aus. Seine
mit Hall angereicherten Trompetenläufe liegen über präzise
eingespielten Loops vorangegangener Melodiefragmente, der Bass
nähert sich in der Verfremdung dem Sound eines Keyboards, extreme
Dynamiksprünge bauen Spannungsbögen und lösen sie wieder auf. „Es
hat geklappt“ freut sich Thomas Siffling nach dem gelungenen Stück.
Ich hätte gerne mehr solcher Soundtüfteleien gehört.
Noch geht der Trompeter sparsam mit der umfangreich zur Verfügung
stehenden Elektronik und dem freien akustischen Spiel um. Losgelöst
vom herkömmlichen Harmoniengerüst sind die Flügelhorn-Fragmente vor
allem in „Entspannung im Dampfbad“ nach einer Intro auf dem
gestrichenen Bass und zur Besenarbeit auf den Trommeln. Dann
wechselt Siffling zu einem samtenen, fast cool wirkenden melodischen
Lauf, der elektronisch unterstützt, sich zu einem schwebenden Sound
verdichtet und mit ein paar Single-Notes über dieser Elektronik
ausklingt.
„Ich möchte an meinem Klang erkannt werden“ hat Siffling einmal
geäußert. Das ist ihm in relativ kurzer Zeit gelungen. Sein Spiel
wie seine Kompositionen zeugen von Reife. Lyrik wird kraftvoll
entgrenzt, energetische Verdichtungen in Schwebestände aufgelöst.
Das Trio ist raumhaft aufeinander eingespielt. „Kitchen Music ist
inzwischen von einer Phono-Fachzeitschrift zur CD des Monats gekürt
worden. Dass Thomas Siffling zudem als charmanter, einfallsreicher
und humorvoller Moderator seiner Stücke auf der Bühne steht, macht
ihn nur noch sympathischer.