Die Zöglinge von Art Blakey
Benny Green und Roy Hargrove blieben traditionell
STUTTGART. Einstige Schüler des unvergessenen Hardbop-Drummers Art Blakey wurden in der 7. Ausgabe der bundesdeutschen Tournee-Reihe "Jazznights" im Doppelpack präsentiert: Zunächst der Pianist Benny Green in klassischer Trio-Besetzung, dann das gleichfalls rein akustische Quintett des Trompeters Roy Hargrove. Welche der beiden Gruppierungen eher innovative Momente in das jeweils der modernen Jazztradition verhaftete Spiel einbrachte - darüber mögen Fans und Experten trefflich streiten.
Der
1963 in New York geborene und im kalifornische Berkeley aufgewachsene
Benny Green machte zunächst als Begleiter der Vokalistin Betty Carter auf
sich aufmerksam, ehe er 1987 zu Blakey’s Jazz Messengers kam. Immer noch
wirkt der Pianist rein äußerlich wie ein braver High-School-Student,
freilich hat Green instrumentaltechnisch einen enormen Sprung gemacht.
Seine außerordentliche Artistik kommt sozusagen aus dem Handgelenk,
gestische Extravaganzen betreibt Benny Green nicht. Im turbulenten
Cecil-Taylor-Tempo greift er in die Tasten – und bleibt bei aller Dichte
distinguiert, glasklar perlen die präzise phrasierten Bebop-Läufe. Bei
aller Hochgeschwindigkeitskunst artet die Virtuosität nicht zum
Selbstzweck aus, der musikalische Ausdruck und die Entwicklungsbögen in
den Improvisationen werden nicht vernachlässigt. Grundierende Blockkorde
und stürmische Parallelläufe verleihen den Soloeskapaden gewitzte
Akzente.
Benny Green – an diesem Konzertabend übrigens auf der Bühne der einzige Künstler weißer Hautfarbe - bediente sich jetzt erneut alten Themenmaterials: als Standard-Lieferanten fungierten so George Gershwin und Charlie Parker. Trotz alledem: die vertrauten Kompositionen wandelten sich bei diesem Trio zu komplexen Stücken mit neuen Reizen. Für Benny Green gab einen interessanten Partner der Schlagzeuger Rodney Green ab, und dies nicht nur in speziellen Dialog-Sequenzen, während der Kontrabassist Brandon Owens bei seiner schnörkellosen Linienführung mitunter nicht so genau die Intonation traf.
Roy
Hargrove wartete dagegen mit "Originals" auf. Jedoch brachten
die Eigenschöpfungen des Trompeters mit Rasta-Zöpfen hinsichtlich von
Melodie, Harmonisierung und Arrangement nichts Neues, zu sehr verharrten
sie meines Erachtens im antiken Hardbop-Strickmuster der 50er Jahre. Ohne
spitzes Auftrumpfen, sondern mit relativ dumpfem Ton blies Hargrove in
seine Trompete, noch mehr weichen Sound produzierte er balladesk auf dem
Flügelhorn. Man fühlte sich da mehr an Chet Baker als an Miles Davis
erinnert. Nach dem gerne lyrisch glissandierenden Ellington-Mitstreiter
Johnny Hodges klang Jessy Davis auf dem Altsaxofon; und Larry Willis
(Piano), Gerald Cannon (Bass) sowie der junge Willi Jones III agierten als
unauffällige "rhythm section". Eine übliche Abfolge der
Solo-Parts, allenthalben eine historisierende Affäre.
War bei dieser Variante der "Jazznights" der Hegelsaal im Kultur- und Kongresszentrum die Liederhalle nur etwa zur Hälfte gefüllt, so dürfte das Zuhörerinteresse am 12. Mai enorm steigen, wenn der Tenor-Gigant Sonny Rollins im gewohnten Beethovensaal auftritt. Schließlich wird der sich bei Festivals inzwischen sehr rar machende Saxofonist Rollins außer in Stuttgart nur in Köln (8.5.) gastieren.
(April 2001)
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Text und Photographie von
Hans Kumpf