
Ein bis jetzt noch wenig bekanntes Trio aus der
Ostschweiz überraschte und überzeugte das „Jazztime“-Publikum in
der Hospitalkirche mit feinnerviger Musik. Aber das Gespann
„Rosset-Meyer-Geiger“ wird zukünftig mehr von sich hören lassen
– auch wieder in Schwäbisch Hall.
Aus dem Kanton St. Gallen kommen sie, sind jazzakademisch
ausgebildet, inzwischen allesamt Anfang 30 und musizieren seit
1999 zusammen. Doch der konventionellen Instrumentierung von
Klavier, Bass und Schlagzeug gewinnen die drei Eidgenossen neue
und ganz eigene Facetten ab. Nicht im bloßen 12- oder
32-Takte-Schema bewegt sich dieses Ensemble, die musikalischen
Formen sind komplex angelegt, Sensibel ausgestaltete
Geräuschaktionen werden harmonisch integriert. Kompositorische
Parts und Improvisationen gehen fast unmerklich ineinander über,
und das aufmerksam zuhörende Publikum, eingeladen vom Jazzclub
und dem städtischen Kulturbüro, unterbricht das subtile
Kontinuum nicht durch Zwischenapplaus.
Anscheinend Bekanntes ist immer wieder zu orten – da erinnert
man sich an vertraute Kompositionen von Miles Davis, Chick Corea
und Krzysztof Komeda, dem legendären Filmkomponisten aus Polen.
Oder es fließt gar Semtanas „Moldau“ mit lieblichen Arpeggien
ein.
Als symptomatisch für die musikalische Konzeption des Pianisten
Josquin Rosset, des Kontrabassisten Gabriel Meyer und des
Schlagzeugers Jan Geiger vermag ihr einst aus zwanglosen
Improvisationen herauskristallisiertes Stück „Die Sau“ gelten.
Zu Beginn und gegen Schluss freejazzartige Sounds, filigran und
im Pianissimo-Bereich, und mittendrin ein Blues zum Mitwippen,
so lässig wie bei Count Basie. Da inszeniert Gabriel Meyer einen
locker dahinschreitenden „walking bass“, Josquin Rosset schlägt
auf den edlen Steinway-Tasten breite Akkorde an, metrische
Unterstützung gibt Jan Geiger durch feine Beckenarbeit.
Sehr nuanciert mit ausgetüftelter Klangsensibilität agierte
Schlagzeuger Geiger durchweg. Ein „lauschiges“ Konzert, absolut
„unplugged“, da nicht einmal der Bass wenigstens etwas verstärkt
war. In der Hospitalkirche herrschte bei dem von Dietmar Winter
organisierten Jazzevent ein kammermusikalisches Niveau höchsten
Grades. „Cooles“ und überaus langsame Tempi als auch elastische
Agogik dominierten. Wiederholt tummelte sich das schweizerische
Trio in der phrygischen Tonskala und somit im spanischen
Flamenco-Flair – so in den beiden Gabriel-Meyer-Kompositionen
„Feuer von Gibraltar“ und „Zebra und Dromedar“. Die Gruppe kam
ohne jegliches Notenmaterial aus – ein präzise aufeinander
eingespieltes Team, das andererseits nicht in Routine erstarrt
ist.
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Text und Photographie von
Hans Kumpf