
Bereits als Teenager erregte der Trompeter Julian Wasserfuhr mit
seinen coolen Chet-Baker-Adaptionen weltweites Aufsehen. Der
mittlerweile 23-Jährige bleibt den gemächlichen Tempi gewogen,
elektrifiziert aber sein Instrument intensiv – wie bei seinem
Quartett-Konzert in der Haller Hospitalkirche zu beobachten war.
2007, beim allerersten JazzArtFestival, stellte Julian
Wasserfuhr (19) in der Kunsthalle Würth auf dem Flügelhorn sein
Chet-Baker-Programm vor. Dabei war damals auch sein zwei Jahre
älterer Bruder Roman am Klavier. Mit aktuellem Quartett
gastierten die zwei talentierten Söhne eines nordrheinischen
Jazzmusikers erneut in Hall, diesmal auf Einladung des Jazzclubs
und des Kulturbüros in der Hospitalkirche.
Ganz zum Schluss als zweite Zugabe ein wahrhafter „Top-Act“, den
sich schon so mancher Künstler gewünscht, aber nicht realisiert
hat: Trompeter Wasserfuhr tönte hochoben, Seit an Seit mit den
gestikulierenden Aposteln, von der barocken Kanzel herunter und
spielte mit seinem Bruder (unten am Flügel) ein
harmonisch-beseeltes Duo.

Ansonsten musizierte man jedoch in
Quartett-Besetzung. Benjamin Garcia am Kontrabass und
Schlagzeuger Oliver Rehmann agierten behutsam und geschmackvoll
und bereiteten für die beiden Hauptakteure eine solide Basis.
Julian Wasserfuhr, nunmehr ausschließlich mit der Trompete und
völlig ohne Flügelhorn, verfügt zur Steuerung der elektronischen
Transformation seines Blechblasinstrumentes eine Latte von
Pedalen, über die ein Rockgitarrist neidisch werden könnte. So
ergeben sich chorische Vervielfachungen sowie Echoeffekte, wo er
mit und gegen sich selbst spielen kann; außerdem synthetisch
generierte Dämpfer-Sounds, beispielsweise „wah-wah“ und „growls“.
Alles bleibt im Wohlklangsbereich – kein gewagtes
Experimentieren wie bei den Trompeter-Kollegen Axel Dörner,
Markus Stockhausen oder Thomas Siffling.
Entschleunigtes Musizieren dominiert, so auch beim
Ohrenschmeichler „L.O.V.E.“ von Bert Kaempfert (1923-1980).
Romantisches Innehalten allenthalben. Aber bei der in Boston
entstandenen Eigenkomposition „Geno The Shoeshine“ kommt doch
mal latinoamerikanisches Temperament auf - Roman zitiert am
Flügel kurz alte Swing-Hits und Julian „schmiert“ mit halben
Ventilen, bläst gar bebopig und endet allertiefst mit einem „Pedalton“.
Bei verschiedenen Stücken („Dalodrum“, „Traveller’s Defense“)
gibt sich Roman Wasserfuhr am Klavier ziemlich klassisch. Da
tastet er „unswingend“ gerade Achtelketten – ohne „off-beat“-Bezug
und nicht triolisch – ein und agiert wie zu alten Barockzeiten
hübsch kontrapunktisch. Aber dann kann er auch, Chopins
Regentropfen-Prélude ähnlich, orgelpunkthafte Zentraltönigkeit
markieren.
Ein stets aufmerksames Publikum fand erneut Wohlgefallen an der
Musik der Wasserfuhr-Brüder samt Rhythmus-Gruppe.
![]()
![]()
Text und Photographie von
Hans Kumpf