
Eine
meiner Lieblingsplatten ist von "Doran / Studer / Minton /
Bates & Ali: "...play The Music Of Jimi Hendrix"
Unter vielen Hendrix Projekten im Jazz das einzige das mich je
völlig überzeugt hat. Was natürlich nicht zuletzt an Phil Minton als
Sänger liegt. Von daher war es eine kleine Enttäuschung vor etwa
einem halben Jahr Doran mit seinem aktuellen Hendrix Projekt und
Erika Stucky als Sängerin in Mannheim zu hören. Wenn man sich erst
einmal an das Geschrei, Gejaule und Geröhre von Minton gewöhnt hat,
ist alles andere eben nur noch ein laues Lüftchen und Stucky hat
zwar die Energie aber nicht die Stimme.
Das wurde jetzt mit dem Konzert von Doran´s New Bag wieder
wettgemacht. Kein Hendrix sondern Eigenkompositionen aus der Feder
Dorans, dargebracht mit einem hervorragend eingespielten,
energiegeladenen Quintett: Christy Doran (ac-g) Wolfgang Zwiauer
(ac-bg) Bruno Amstad (voc) Fabian Kuratli (dr, perc) Hans-Peter
Pfammatter (p).
Laut und rockig, voller Klangexperimente, so dass man erst mal gar
nicht registriert, dass alles rein akustisch ist (vom verstärken mal
abgesehen). Amstad ist nicht ganz so exaltiert wie Minton, aber er
nuschelt und stöhnt und brabbelt und winselt, dass es keine Wekunde
langweilig ist. Pfaffmatter benutzt sein instrument vor allem
perkussiv und für kleine Rhythmusfiguren, gelegentlich mit einem
Anklang Randy Weston. Insgesamt dominiert ein kompakter,
eigenständiger Ensembleklang, nur kurz werden vereinzelt Soli
eingeworfen. Laut eigener aussage ist das Repertoire von irischer,
indischer und afrikanischer Musik inspiriert. Aber der
Gesamteindruck geht eher in Richtung moderner Hendrix als in
Richtung Folk und kommt vom feeling her oben genannter Platte schon
recht nahe. Also ein echter Glücksfall für mich. Da hat es sich auch
gelohnt, nach dem nicht merkbar gekennzeichneten kleinen Raum der
Jazz Initiative Mainz im M8 zu suchen, der sich im inneren einer
großen Faschingsveranstaltung versteckte.
Text: Thomas Schindelbeck
Foto (nicht von diesem Konzert):
Frank
Schindelbeck